Dietmar Stuck

Ich will sauberes Wasser für alle


Weltweit haben rund 800 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Diese Zahl ist so horrend hoch, dass man ihr gar nicht glauben möchte. Die meisten Menschen in Österreich können sich diesen Zustand gar nicht vorstellen. Wir können uns jederzeit frisches, sauberes Wasser aus der Leitung lassen, Abends ohne weiter darüber nachzudenken ein Bad nehmen und im Sommer damit unsere Pools befüllen. Dass das ein Privileg ist, vergessen manche leider viel zu oft. Viel zu viele Menschen können von diesem Standard nur träumen.

Dietmar Stuck ist Initiator und Gründer von Pumpmakers: Mithilfe von Solarkraft und einem ausgeklügelten Pumpsystem kann sauberes Trinkwasser hergestellt werden. Dadurch, dass die Pumpe lokal hergestellt werden kann, sorgt sie nicht nur für sauberes Wasser, sondern schafft auch Arbeitsplätze. Wir haben mit Dietmar über sein Projekt gesprochen.

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Wie-Wir-Wollen.at: Was macht ihr bei Pumpmakers genau?
Dietmar Stuck: Pumpmakers hat die erste Do-It-Yourself Solarpumpe entwickelt, die helfen soll, die Wasserversorgung in abgelegenen Regionen möglich zu machen. Anderseits entwickeln wir gerade ein spezielles Vertriebskonzept, um das System weltweit auf den Markt zu bringen. Das wird wie ein Franchise-System aufgebaut, da die Pumpe zum Teil lokal angefertigt werden kann. Wenn man das ganze System beispielsweise in Österreich bauen würde, kommen hohe Transportkosten dazu und gleichzeitig auch hohe Anfertigungskosten für die Stahlkonstruktion. Der gesamte Pumpturm kann lokal gefertigt werden, was wiederum vor Ort für Arbeit sorgt. Den Bausatz, den man von unserer Plattform beziehen kann, kann man sich dann in unserem Webshop ansehen.

Wie funktioniert die Solar-Pumpe genau?
Den Pumpturm kann man sich ähnlich wie ein Windrad vorstellen. An der Oberfläche befinden sich Solar-Paneele. Unter den Paneelen befindet sich ein Motor mit einem Getriebe. Wenn der Motor Sonne bekommt, startet der Motor, es beginnt eine Drehbewegung und diese Drehbewegung wird in eine Auf- und Ab-Bewegung umgewandelt. Im Untergrund befindet sich ein Pumpkolben und durch diese Auf- und Ab-Bewegung wird das Wasser an die Oberfläche gepumpt.

Wie lange habt ihr an der Entwicklung der Pumpe gearbeitet?
Die Reinentwicklung hat über zwei Jahre gedauert. Wir arbeiten seit 2010 an dem Projekt.

Welche Länder sind besonders von verschmutztem Wasser betroffen?
Die Haupteinsatzgebiete sind in abgelegenen Regionen. Meistens auch dort wo derzeit Hand- oder Dieselaggregatpumpen zum Einsatz kommen. Der größte Markt ist derzeit in Ost- und Westafrika, Indien und Mittelamerika. Aber auch für asiatische Länder, Austrialien, Südamerika, Nordamerika aber auch im südlichen Europa wäre die Pumpe interessant.

Wie viele Pumpen sind derzeit in Betrieb?
Insgesamt sind es Fünf. Eine in Tschechien, eine in Mosambik und drei in Österreich.

Drei in Österreich?
Ja, das sind unsere Teststationen.

Wie können Menschen, die nicht von verschmutztem Wasser betroffen sind helfen Ressourcen zu sparen und Menschen, die kein sauberes Wasser haben unterstützen?
Das Wichtigste ist, dass man nicht vergisst, dass diese Wassernot vorhanden ist. Weiters, dass über Medien, Blogs und das Internet daurauf aufmerksam gemacht wird. Natürlich kann man auch Organisationen unterstützen, die speziell auf Wassernot oder Brunnenerrichtung ausgelegt sind. Wasser ist ja der erste Schritt. Wenn man in eine Region kommt, ist es am wichtigsten dass ausreichend sauberes Trinkwasser vorhanden ist und den Menschen zur Verfügung steht. Erst dann können auch Schulen, Krankenhäuser usw. gebaut werden. Leider ist es jetzt so, dass viele Organisationen zuerst eine Schule bauen und dann draufkommen, dass sie kein Wasser für die Schüler haben. Das Haus wird also sozusagen mit dem Dach zuerst gebaut.

Was war der Anstoß Pumpmakers ins Leben zu rufen?
Ich bin seit über zehn Jahren im Brunnenbau-Bereich tätig. Mein Vater hat eine Binnenbaufirma in Österreich, bei der ich über sechs Jahre gearbeitet habe und mehr als 300 Trinkwasserbrunnen errichtet habe. Danach bin ich nach Australien gegangen und war später als Entwicklungshelfer in sechs afrikanischen Ländern tätig—ebenfalls für die Brunnenerrichtung und für die Voruntersuchung. Dort habe ich gesehen, dass die Systeme, die derzeit verwendet werden keine nachhaltige Hilfe für die Menschen dort sind. Handpumpen sind beispielsweise sehr wartungsanfällig, Stromaggregate verursachen laufend Treibstoffkosten, Windmühlen benötigen immer Wind und Unterwasserpumpen kommen alle aus Massenproduktionen aus China, Indien oder Mexiko, die wiederum keine Wertschätzung für das Land darstellen.

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Das hat ihnen dann zu denken gegeben?
Genau. Ich habe daraufhin ein System gesucht, das auf mechanischem Prinzip funktioniert. Das lokal hergestellt werden kann, gleichzeitig aber auch wartungsfrei und sehr robust für diese abgelegenen Regionen ist. Dafür habe ich weltweit recherchiert und habe nicht gefunden, was ich mir für meine Projekte erwartet habe. Daraufhin habe ich selbst angefangen so ein System zu entwickeln. Den Anstoß gab ein Besuch in der Massai Region. Wir fuhren dort zu einer Windmühle und viele Leute haben davor auf Wasser gewartet. Dann hat der Wind aufgehört, aber es gab genug Sonne. Dann dachte ich mir, warum man so etwas nicht mithilfe von Sonne macht. Sonne gibt es genug.

Welcher Moment ist Ihnen im Laufe des Projektes besonders in Erinnerung geblieben?
Als wir im Juli 2012 die Station in Mosambik aufgestellt haben. Dort fand dann ein richtig großes Fest statt. Auf Flickr kann man sich dazu ein paar Bilder ansehen. Die Fertigstellung der Pumpe war ein toller Moment. Die Pumpe war noch keine 15 Minuten in Betrieb und die Leute waren schon Wasser holen. Wir haben ihnen zwar gesagt, dass sie das Wasser zuerst einmal ausrinnen lassen sollten, damit es schön klar und sauber wird, aber da haben sie den Wasserhahn sofort wieder aufgedreht—da darf natürlich kein Tropfen Wasser im Sand versickern.

Wie kann es sein, dass wir wortwörtlich in Wasser baden und in einer Zeit von der man glaubt, dass sie so grundlegende Dinge eigentlich lösen kann bzw die Mittel  dazu eigentlich vorhanden wären, wir es noch immer nicht geschafft haben der ganzen Welt sauberes Wasser zu ermöglichen?
Wir haben genug Wasser, weil es bei uns genug regnet. Wenn man zum Beispiel nach Spanien oder Italien schaut wird das schon kritischer. Aber auch bei uns werden die Grundwasserreserven nicht unendlich vorhanden sein. Wenn in Afrika ein Brunnen gebaut wird, dann nehmen da tausend Leute am Tag Wasser. Bei uns nimmt aber die Industrie und Hotels Unmengen an Wasser. In Afrika ist das Problem, dass die Pumpen nicht nachhaltig sind. Wenn man fünf Handpumpen hernimmt sind mindestens zwei dabei die nicht funktionieren. Die Stromaggregatoren brauchen um die 7000 Euro Treibstoff im Jahr. Das kann sich dort niemand leisten—das könnte sich bei uns auch niemand leisten. Zum anderen müssen in abgelegenen Regionen wieder mehr Brunnen errichtet werden. Viele Organisationen sagen zwar dass sie Brunnen errichten, aber wenn man wirklich nachfragt werden nicht viele brauchbare Brunnen erbaut.

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Ist Brunnenbau ein heikles Gebiet?
Der Brunnenbau ist eine schwierige Angelegenheit. Zum Einen ist nicht überall Wasser—man muss erst eine Stelle finden, bei der Wasser vorhanden ist. Wenn eine Organisation einen Brunnen baut der trocken ist, dann ist das eine schlechte Werbung für die Organisation—diese können aber oft gar nichts dafür. Zum anderen sind die vielen Leute in diesen Ländern oft sehr versträut. Man kann sich das so vorstellen: Vor hundert Jahren war die Situation bei uns ähnlich wie die heutige in Afrika. Damals hatte auch nicht jeder einen Brunnen, es gab kein fließendes Wasser. Ich arbeite heute auch noch in Österreich beim Brunnenbau und ich erlebe es jetzt noch dass Leute in den Wald gehen um Wasser zu holen. Das kann man sich gar nicht vorstellen, aber auch in Österreich haben die Menschen in gewissen Regionen kein Wasser oder das Wasser ist sehr oberflächlich und verschmutzt—somit kann das Wasser aus der Leitung oft nicht getrunken werden.

Wie viele Menschen sind von verschmutztem Wasser betroffen?
Knapp 800 Millionen Menschen haben gar keinen Zugang zu sauberen Trinkwasser und 1, 2 Milliarden haben Wasser aber das ist verschmutzt. Mann kann also sagen, dass es ungefähr 2 Milliarden Menschen gibt, die so eine Pumpe benötigen würden. Bis zum Jahr 2025 wird sich diese Zahl verdreifachen—laut der UN. 10. 000 Menschen sterben jeden Tag, weil sie kein Wasser haben.

Das sind unglaubliche Zahlen.
Ich war einmal bei einem Vortrag. Es gibt 8 Milliarden Menschen. 2,7 Milliarden davon haben Zugang zum Internet. In Afrika kann man hingehen wo man möchte: Jeder hat ein Handy. Laut Google und Facebook sollen alle 8 Menschen bis zum Jahr 2020 mit Internet versorgt werden. Das heißt, dass Apps, die im Bereich der Entwicklungshilfe gerade entwickelt werden einen großen unangetasteten Markt haben. Wenn diese Leute dann Internet haben werden, werden sie sehen, wie es wo anders aussieht. Dann stellt sich die Frage, was dann passiert. Wollen diese Menschen dann alle nach Europa, wollen sie das in ihrem Land selbst auch einfordern, werden Kriege ausbrechen oder passiert gar nichts. Das wird noch spannend. Aber die Menschen dort sind ja nicht unglücklich. Die leben damit. Die Leute dort sind oft glücklicher als die Leute bei uns.

Text und Interview: Isabella Khom, Fotos: Mit freundlicher Genehmigung von Dietmar Stuck



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